Stundenlanges Sirenengeheul ängstigte viele Dormagener

Megaknall bei der Ineos

dormagen/Worringen. Jedes Sirenengeheul lässt zurzeit aufhorchen. Ist wieder etwas passiert? Die Menschen vor Ort sind seit dem Megaknall in der Polyethylen-Anlage von Ineos auf Kölner Boden sensibel geworden. Verantwortlich war für den Knall das Zerbrechen einer Berstscheibe. Offenbar mit soviel Druck, dass der besagte Knall sogar bis nach Mettmann zu hören war und zahlreiche Scheiben auf Dormagener Stadtgebiet wackelten. Sofort wurde via Facebook nach der Ursache gefragt. Die war schnell gefunden, besonders von der Stadt Dormagen, die innerhalb einer halben Stunde auf die vielen Fragen reagierte und erklärte, was passiert war. Ineos selbst informierte um 18.45 Uhr über die eigene Website vom Ansprechen einer Sicherheitseinrichtung. „Dies ging einher mit einem lauten Knall und einer Rauchentwicklung, die sich schnell wieder auflöste. Die Werksfeuerwehr war vor Ort. Es zerbrach eine sogenannte Berstscheibe, wodurch die Anlage gefahrlos zur Atmosphäre entspannt wurde“, war dort zu lesen. Dass eine Berstscheibe zerbrechen kann, ist den Dormagenern bekannt. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass das bei Ineos passiert ist. Neu allerdings war das „stundenlange“ Sirenengeheule der Rettungsfahrzeuge. Klar, dass dies die Bevölkerung in Sorge versetzte. War vielleicht doch mehr passiert? Zum Glück nicht. Wie sich später herausstellte, hatte es einen sogenannten „MANV 2-Alarm“ gegeben. Das bedeutet einen Massenanfall von Verletzten, bei dem von bis zu 25 verletzten Personen ausgegangen wird. An Tor 14 herrschte in Folge dessen reger Verkehr. Zahlreiche Krankenwagen und sogar ein Rettungsbus aus Köln fuhren quasi im Minutentakt in den Chempark ein. Was passiert war, wurde von Seiten des Petrochemie-Unternehmens nicht mitgeteilt. Ganze viereinhalb Stunden hüllte sich Ineos in Schweigen. Erst gegen 22.30 Uhr gab es mehr Informationen: Es hatte 14 Leichtverletzte gegeben. Sie wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Zwei wurden noch am selben Abend entlassen, die anderen zwölf waren einen Tag später zu Hause.
Ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte, erklärte, warum es die Verletzten gab: „Die Druckwelle bei rund 2.500 bar ist enorm und unwissende oder ungeschulte Mitarbeiter geraten durchaus in Panik und stolpern beim Weglaufen oder glauben wirklich, die Anlage würde explodieren. Das führt zu Stolperunfällen und Verletzungen. Auch das Knalltrauma ist unangenehm und man sollte vorsorglich in eine Klinik gebracht werden, um zu prüfen, ob die Druckwelle das Trommelfell beschädigt hat.“ Im Übrigen handele es sich beim Brechen einer Berstscheibe auch nicht um eine Detonation, sondern um eine Art Kettenverzweigungsexplosion. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe es wirklich nicht gegeben, so der anonyme Ineos-Mitarbeiter. (SCHAUFENSTER vom 7. Oktober; -ale)