„Wir leben in einer tollen Stadt, das kann man ruhig mal sagen"

Bürgermeister wirbt für selbstbewussten Auftritt

Das SCHAUFENSTER hat mit Bürgermeister Erik Lierenfeld gesprochen. Er verrät dabei, worauf er sich dieses Jahr am meisten freut und was er in der letzten Zeit vermisst hat.
SCHAUFENSTER: Sind Sie gut ins neue Jahr gekommen?
Erik Lierenfeld: Ja, ich habe im kleinen privaten Kreis gefeiert.

SF: Was sind die großen Projekte in diesem Jahr?
Lierenfeld: Wo soll ich anfangen? Wir werden dieses Jahr zwei neue Sportplätze in Stürzelberg und Delrath sowie den Skaterpark in Horrem einweihen, die Aula des BvA soll grundsaniert sein; wir investieren in Schulen, Kitas und Feuerwehrhäuser. Wir starten mit einer neuen Dachmarke in das Jahr 2018 und werden uns als Verwaltung noch stärker um einige Zukunftsthemen kümmern. Dazu werde ich beim Neujahrsempfang etwas sagen.

SF: Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?
Lierenfeld: Auf die FußballWeltmeisterschaft.

SF: Wo muss Dormagen besser werden?
Lierenfeld: Das Bessere ist der Feind des Guten. Es funktioniert viel in Dormagen, von daher habe ich keinen konkreten Anlass, wo wir zwingend besser werden müssen.

SF: Anders gefragt, wo kann Dormagen besser werden?
Lierenfeld: Wir könnten unser Miteinander stärker betonen – auch zwischen den verschiedenen Stadtteilen – und jedem Menschen mit Wertschätzung begegnen. Das habe ich in der letzten Zeit an der ein oder anderen Stelle vermisst. Außerdem dürfen wir selbstbewusster auftreten – wir leben in einer tollen Stadt und das kann man ruhig mal sagen!

SF: Die evd ist im vergangenen Jahr umgezogen, weil mehr Raum für Mitarbeiter der Verwaltung nötig wurde. Wächst das Personal weiter oder reicht vorerst der Platz aus?
Lierenfeld: Wir haben den Raum benötigt, weil wir zusätzliche Aufgaben zum Beispiel im Bereich der Integration übernehmen mussten. Außerdem haben wir unser Personal auch in wichtigen Bereichen für die Bürger wie Sicherheit und Ordnung oder auch der für die Zukunft unserer Stadt unerlässlichen Stadtplanung erhöht. Ich kann weder heute noch später ausschließen, dass wir weitere oder neue gesetzliche Aufgaben bekommen. Leider führt das nicht immer dazu, dass wir auch mehr Geld von Bund oder Land bekommen.

SF: Wie unsere Schwesterzeitung Rheinischer Anzeiger berichtete, steht der Slogan für Dormagen nun fest, den eine Agentur entwickelt hat. „Natürlich! Dormagen. Am Rhein“ 100.000 Euro hat dieser Slogan gekostet. Sind Sie damit zufrieden?
Lierenfeld: Das ist Quatsch! Ein Slogan kostet keine 100.000. Das wäre verrückt. Die benannte Summe beinhaltet die Entwicklung und Umsetzung einer gesamten Marketingkampagne – mit allem, was dazu gehört. Da gibt es noch einiges, auf das sich die Bürger freuen können. Es geht um unsere Stadt.
SF: Nach Meinung der Dormagener verliert die Innenstadt immer mehr. Ein Kritikpunkt ist dabei der Abzug von Fachhandel. Ist das ein Dormagener oder ein allgemeines Problem?
Lierenfeld: Dass der stationäre Einzelhandel allgemein in Zeiten des Online-Shoppings immer größere Probleme hat, ist bekannt. Da hilft nur lokal Einkaufen zu gehen. Wenn alle Dormagener im Einzelhandel ihr Geld lassen, würden die Läden florieren. Heimatshoppen ist wichtig – ich mache das auch!

SF: Es gibt immer mehr Gastronomie-Betriebe in der City. Ist das die Zukunft?
Lierenfeld: Nicht die Stadt entscheidet, wer sich wo ansiedelt. Das wird vor allem durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dieses wirtschaftliche Grundprinzip gilt auch in Dormagen. Wenn die Menschen ihre Kleidung oder die nächste Reise lieber anonym im Internet bestellen und stattdessen aber dann gerne mit Freunden einen Kaffee oder Cocktail trinken gehen, dann wird sich der Trend verstärken.

SF: Gibt es Neuigkeiten in Sachen „ehemalige Zuckerfabrik“? Kurz vor Weihnachten wurde das gesamte Areal gerodet.
Lierenfeld: Wir sind in guten Gesprächen mit dem Eigentümer und dieser will sicherstellen, dass dort kein „Urwald“ entsteht.

SF: Sind Sie es als Bürgermeister nicht manchmal leid, immer für alles herhalten zu müssen, ständig ansprechbar zu sein oder gar kritisiert zu werden?
Lierenfeld: Immer ein offenes Ohr für jeden zu haben, ist natürlich anstrengend. Meist belastet es aber eher mein persönliches Umfeld als mich. Als Bürgermeister haben mir die Mitbürger die Verantwortung für die Stadt übertragen. Dieser muss und möchte ich gerecht werden. Das mache ich sehr gerne. Dazu gehört auch, sich mit Kritik auseinanderzusetzen, solange sie sachlich und substanziell geäußert wird. Das kann uns nur voranbringen. Allerdings hat sich der Tonfall in manchen politischen Diskussionen erheblich verschärft. Das ist nicht nur in Dormagen so. Dem müssen wir gemeinsam im Interesse eines demokratischen Miteinanders entgegenwirken.

SF: In der Vergangenheit hat sich viel getan in Sachen Internet. Die Stadt ist auf Facebook aktiver geworden, es gibt die neue Plattform Open-Data und nun auch extra einen Service für Bürger, die an einer Leseschwäche leiden. Was verspricht sich die Verwaltung davon?
Lierenfeld: Die Digitalisierung wird unser Leben immer stärker beruflich wie privat bestimmen. Dieser Fortschritt schürt natürlich Ängste und geht mit Risiken einher. Die Digitalisierung beinhaltet aber auch enorme Chancen, die wir auch als Stadtkonzern zum Wohle der Bürger nutzen sollten. Meine feste Überzeugung ist, dass man Wandel nicht aufhalten kann – aber man kann ihn gestalten. Das ist auch in diesem Fall unser Ziel – die Digitalisierung so zu gestalten, dass sie uns weiterhin nutzt.

SF: Bürgernähe ist eines Ihrer Steckenpferde genau wie das Ehrenamt. Wo steht Dormagen in diesen Bereichen heute?
Lierenfeld: Ich glaube, dass sich der Großteil der Bevölkerung bei der Verwaltung gut aufgehoben fühlt und dass wir als bürgerfreundlich und hilfsbereit wahrgenommen werden. Vor allem gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit uns in den Dialog zu treten und Entscheidungen zu diskutieren. Das macht nicht immer glücklicher, aber die Entscheidungen nachvollziehbarer. Im Idealfall führt das dazu, dass sich weniger Bürger zusammenschließen müssen, um ihre Interessen durchzusetzen, weil auch die Interessen von Einzelnen grundsätzlich berücksichtigt werden – wenn möglich. Die Ehrenamtler sind immer noch das wichtigstes Rückgrat unserer Gesellschaft – das wissen wir nicht erst seit der Flüchtlingskrise. Mein Eindruck ist, dass die Wertschätzung für das Ehrenamt insgesamt gestiegen ist. Das sehen wir beispielsweise auch bei den steigenden Zahlen unserer Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.

SF: Wenn Sie einfach mal einen Schalter umlegen dürften, um damit etwas gänzlich unbürokratisch zu verändern. Was wäre das?
Lierenfeld: Das alle Menschen – unabhängig vom Geldbeutel – die gleichen Chancen haben. A. Lemke.

SCHAUFENSTER-Artikel vom 13. Januar 2018